Frauensichtbarmachen
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| Projekturheberin | |
|---|---|
| Name: | Frauenforum Salzkammergut |
| Ort: | Ebensee, OÖ. |
| Website: | http://www.frauenforum-salzkammergut.at |
| Das FFS ist Beratungseinrichtung, Anlaufstelle, Informationsdrehscheibe, Bildungseinrichtung und Treffpunkt-Kommunikationszentrum. Unter dem Motto "Jenen Raum geben, welche Raum brauchen" werden die Räumlichkeiten der Frauenanlaufstelle von Frauen und Mädchen aus der Region genutzt. | |
| Projektstatus: | abgeschlossen |
Vor 400 Jahren, am 8. Februar 1607, beginnt in Ebensee die Salzproduktion. Dieses Jubiläum war 2007 Anlass vieler Festakte, Reden und Trachtenumzüge im Ort. Als Überschrift hätte auch dienen können: wir feiern die HERRlichkeit großer Leistungen von Männern. Aber, da Frauen zur Geschichte und zur Kultur im selben Maße beigetragen haben wie Männer und da die Unsichtbarkeit der Frauen, allein der männlichen Geschichtsschreibung „zu verdanken“ ist, hat das Frauenforum Salzkammergut fünf feministische Kontrapunkte gesetzt, die sichtbar machten, dass Frauen stets mitgearbeitet, mitgeliebt und mitgelitten haben. Mit dem Projekt frauensichtbarmachen hat das Frauenforum Salzkammergut wieder einmal bewiesen, dass Frauen und Mädchen in der Region eine starke und verlässliche Partnerin an ihrer Seite haben! „Ich bin sehr stolz, dass wir einer unserer Kernaufgaben, nämlich die berechtigten Ansprüche der Frauen und Mädchen zu artikulieren, ihre unterschiedlichen und vielschichtigen Lebensumstände zu thematisieren und öffentlich zu machen und dabei kompetent und professionell aufzutreten, durch die Realisierung dieses Projektes mehr als entsprochen haben.“, so die Geschäftsführerin Iris Kästel. Das Projekt frauensichtbarmachen begann schon im März 2007 und endete mit einem Kulturabend festlich, am Freitag, den 9. November. „Dass das Projekt so erfolgreich war haben wir auch den vielen Frauen zu verdanken, die unsere Aktionen so zahlreich unterstützt haben.“, erklärte die Obfrau des Frauenforums Trude Piontek.
Inhaltsverzeichnis |
Projektbeschreibung
Auf Salz gebaut – die Ausgangslage
Ebensee[1] ist eine Gemeinde im Inneren Salzkammergut: Heute leben dort ca. 8.300 Menschen und auch in Ebensee bewahrheitet sich die Faustregel, die überall auf der Welt gilt: rund 52% der Einwohnerschaft ist weiblich (Quelle: Meldeamt Marktgemeinde Ebensee, 2006). Eine erste urkundliche Erwähnung Ebensees findet sich 1447, von ein paar Häusern ist dort die Rede. Von 1597 bis 1604 wird zwischen Hallstatt und Ebensee die älteste Pipeline der Welt, die Soleleitung, gebaut. 1604 wird in Ebensee die Saline gegründet, 1607 beginnt dort die Salzproduktion; um genau zu sein, am 8. Februar 1607: Der erste Salzsud an diesem Tag, gilt als die Geburtsstunde Ebensees, die zur weiteren Entwicklung des Ortes bis zu seiner heutigen Bedeutung führte. 400 Jahre war das 2007 her und die Marktgemeinde nahm dieses Jubiläum zum Anlass: 400 Jahre Saline in Ebensee ausgiebig zu feiern. Da wurden wir vom Frauenforum Salzkammergut[2] selbstverständlich hellhörig und nahmen diese Feierlichkeiten zum Anlass, in bewährter feministischer Tradition: anzusprechen, Initiative zu zeigen und darauf zu achten, dass die Frauen, die ebenfalls 400 Jahre Saline Ebensee mitgelebt und mitgelitten haben, in all der HERRlichkeit der Feiern nicht „vergessen“ würden und unsichtbar blieben. Kurzerhand adaptierten wir das offizielle 400-Jahre Logo der Gemeinde Ebensee und begannen mit der Sichtbarmachung der Frauen ...
Doch zunächst stand Recherchearbeit an.
400 Jahre Saline = 400 Jahre Frauen in der Saline?
Die Frauengeschichte ist eine relativ junge akademische Wissenschaft, die seit Beginn damit zu kämpfen hat, dass der Beitrag der Frauen von der so genannten allgemeinen Geschichtsschreibung zum Großteil nicht aufgenommen, dass er trivialisiert oder marginalisiert oder schlicht und einfach „vergessen“ wurde. Es versteht sich von selbst, dass die jeweils herrschende Kultur in den schriftlichen und sonstigen Quellen dominiert, aber niemand wird leugnen, dass Frauen zur Geschichte und zur Kultur im selben Maße beigetragen haben wie Männer und dass die Unsichtbarkeit der Frauen, allein der männlichen Geschichtsschreibung „zu verdanken“ ist.
Und wie ist das mit der Saline in Ebensee und den Frauen?
- "Bis ins frühe vorige Jahrhundert war das Salz die ausschließliche Einnahmequelle der Region. Jeder Arbeitnehmer im Kammergut – und es gab dort eigentlich nur Arbeitnehmer – hatte in irgendeiner Form mit dem Salinenwesen zu tun …" (aus: Günter Treffer, Salzkammergut, Verlag Christian Brandstätter, Wien 1990, Seite 54)
Wie so oft schlägt uns die (geschlechter-)ungerechte Sprache ein Schnippchen und vor unserem inneren Auge erscheinen ausschließlich männliche Arbeiter, die Großes leisten. Aber wie weiter oben bereits ausgeführt, müssen wir uns bewusst korrigieren, um korrekt zu erinnern, dass immer auch Frauen teilhaben an der Geschichte, dass sie ebenso gelebt, gearbeitet, geliebt und gelitten haben. Ihr Beitrag zur Geschichte ist unverzichtbar, auch wenn die Geschichtsschreiber hierüber bisher nur wenige Worte verloren haben. Und tatsächlich, im Werk des studierten Bergbauers, Salinenzeichners und ehemaligen Salinenvorstandes, Dipl.-Ing. Dr. Winfried Aubell: Bergmann im Salz, von 1981, finden wir eine Abbildung mit folgende erklärende Zeilen:
- "Schweiß tropft, Salz zu Salz. Es kocht und glüht, es hallt und zieht, und was ist gar das? Pochen und Gehen mit den Hülzen ohne Unterlaß. Im Rad gehen sie, in der Innentrommel, die unter ihnen durchdreht und außen befestigte Kübel für Kübel in die Mutterlauge taucht, aufhebt und in die Pfann' gießt (die Pumpe ist ja noch lange nicht da). Die ersten Ebenseerinnen gehen da im Schöpfrad, und der bauschige Kittel zeigt hin und wieder im Marschieren, daß sie schlank und fesch sind. Sie alle heizen und ziehen und werken sechs Stunden, dann feiern sie sechs Stunden und wieder sechs Stunden Werken ohne Unterlaß, nur Sonntag vormittag gehen sie zum Gottesdienst; in der Zeit wird die Pfanne zugerichtet. Auf einmal treibt es den Dunst und den Rauch anders herum, den Leuten ins Gesicht, es beißt in den Augen. »He, Luitpold, der Wind hat sich dreht, sechse ist's!«- »Schicht habt's!« ruft der Meister. Pause in Hitz' und Schwitz'. Sie werfen noch einen Seitenblick auf die im Rad gehenden Frauen und gehen ein Bier trinken. Ist doch der Durst nahezu ein Berufsleiden der Pfannhauser." (aus: Winfried Aubell, Bergmann im Salz, Verlag Welsermühl, Wels 1981, S. 174-175.)
Sieh mal eine an! Aufklärendes über die Beteiligung weiblicher Arbeitskräfte bei der Salzproduktion können wir auch dem Katalog zur Landesausstellung „Salz“, in Hallein 1994 entnehmen. Dort können wir wir im Beitrag von Thomas Hellmuth und Ewald Hiebl, auf Seite 250 von "minderberechtigten weiblichen Arbeitskräfte" lesen. Als hätten wir uns das nicht schon gedacht: nicht nur, dass die Frauen eine wichtige Funktion in der Salzproduktion innehatten, die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern, die bis zum heutigen Tag Dauerthema geblieben ist, klaffte auch vor mehreren hundert Jahren schon weit auseinander!"
frauensichtbarmachen: Bestandteile des Projekts
Die Veranstaltungsreihe spannte sich zwischen den Polen Information und Unterhaltung, Wissenschaft und Kultur auf. Alle Module hatten zum Ziel, Frauen und deren Beitrag und Leistungen zur Geschichte und zur Kultur in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken und so deren Stellenwert sichtbar zu machen.
- Vortrag zur Frauengeschichte
- Sichtbarmachung von 400 Frauen durch Entrollung eines 17m x 7m Transparentes am Rathaus der Marktgemeinde Ebensee.
- Publikation einer Frauen-Festschrift: „Frauen – Geschichte - Ebensee“, mit Informationen zur Frauengeschichte Ebensees; Schwerpunkt: Ausarbeitung von Frauenbiografien.
- Kulturabend: Chormusik aus der Zeit der Gründung der Saline mit erzählter Frauengeschichte
- Radiosendung zum Projekt
Preiswürdig: KUPF Innovationstopf 2007
Stellte sich sogleich die Frage: wie das alles finanzieren? Mit den vorhanden Mitteln wäre das unmöglich gewesen. Also reichten wir unser Projekt frohgemut beim Wettbewerb KUPF-Innovationstopf 2007 ein. Der KUPF-Innovationstopf wurde 1995 von der Kulturplattform OÖ [3] ins Leben gerufen. Er wird jährlich ausgeschrieben und vom Land OÖ mit mindestens 75.000 Euro Projektgeld gefüllt. Die organisatorische Abwicklung liegt zur Gänze bei der KUPF, die Auswahl der Projekte trifft eine unabhängige Jury, die sich aus Expertinnen und Experten der freien Kulturarbeit zusammensetzt. Am 27. April 2007 entschied die Jury, dass 11 Projekte prämiert würden[4], darunter unser Projekt frauensichtbarmachen! Und los konnte es gehen!
Aufklärend: Hi(s)Story oder HerStory?
Begonnen hat unser Programm mit einem Vortrag zur HERStory in Ebensee. Die Historikerin Dr.in Brigitte Rath hat dafür in kürzester Zeit viele Informationen und Dokumente über die Geschichte der Frauen in der Region aufgearbeitet.
- „Der Begriff HER-Story – als Gegensatz zu „His[-]story“ – ging in den 60er Jahren vom englischen Sprachraum aus und steht in engem Zusammenhang mit der Entstehung der sogenannten Zweiten Frauenbewegung. Diese politische und soziale Bewegung hatte Einfluss auf Fragestellungen in vielen wissenschaftlichen Bereichen. Vor allem feministische Historikerinnen machten sich auf die Suche nach ihrer eigenen Geschichte. In den großen Handbüchern, die den Vertretungsanspruch der „Allgemeinen Geschichte“ erhoben, fand sich diese nämlich nicht oder nur kaum. Es galt daher, den Standpunkt und die Perspektive zu wechseln, von der aus Geschichte betrachtet wurde.“ (Publikation des Frauenforum Salzkammergut: Frauen – Geschichte – Ebensee, Beitrag von Dr.in Brigitte Rath, 2007, S. 3)
Seit den 1980er Jahren hat sich, dank des Engagements von Frauen, der Blick auf die allgemeine Geschichte verändert. Leider sind die Ergebnisse der Perspektivenwechsel in der Geschichtswissenschaft, also vom ausschließlichen „Männerblick“, zum „Frauenblick“, bis seit den 1990er Jahren hin zum Blick der „Geschlechterverhältnisse“, bis heute nicht in der österreichischen Orts- und Regionalgeschichtsschreibung angekommen. Der dort gewählte Blick stellt immer noch „Leistungen“ in den Vordergrund; dokumentierte Leistungen von Männern, die – so scheint es, wenn wir die Texte lesen – ihr Leben „ganz alleine“ gemeistert haben. Dass sie Frauen an ihrer Seite hatten, die für sie nicht nur die Organisation des täglichen Lebens übernahmen, bleibt ungesagt. Und das ist der Haken an der ganzen Sache, dass unbezahlte Frauenarbeit von Männern bis heute nicht als Leistung und „typische Frauenarbeit“ nicht als gleichwertig anerkannt wird und so für die immer noch männerzentrierte Ortsgeschichtsschreibung unbedeutend bleibt. Und deswegen werden Frauen in der Ortsgeschichte auch weiterhin nicht auftauchen. Doch Frauen haben es satt, dass ihre Leistungen nicht anerkannt werden und wollen sich und ihresgleichen endlich in der Geschichte wiederfinden. Der Vortrag von Dr.in Brigitte Rath brachte uns Ebenseerinnen in genau die richtige Stimmung, um den nächsten großen Schritt zu setzen!
Spektakulär: Ein Transparent das mächtig Eindruck machte ...
Die Jubiläumszahl „400“ inspirierte uns dazu 400 Frauen sichtbar zu machen. Die Idee eines riesigen Transparentes war geboren. Wir riefen alle Frauen auf, die in Ebensee leben, gelebt haben, arbeiten oder gearbeitet haben, egal wo sie geboren sind, sich fotografieren zu lassen. Und gleichsam baten wir darum Porträt-Fotos der Ahninnen zum Einscannen mitzubringen - unter dem Motto: Wir alle schreiben die Geschichte Ebensees mit, sie wird von uns gemacht! Machen wir also die Geschichte, die wir wollen!!! Mehr als 170 Frauen folgten dem Aufruf und ließen sich von den professionellen Fotografinnen, Lisi Schmölz und Doris Höller, ablichten. Die Resonanz war einmalig. Die Ebenseer Grafikerin Margot Höller montierte die digitalen Daten zu einem riesigen Transparent: 17m x 7m groß! Und am 29. Juni war es dann so weit! Bei strahlendem Sonnenschein und weiß-blauem Himmel erwartete eine gespannte ZuschauerInnenmenge die Enthüllung des Transparentes frauensichtbarmachen. Die Obfrau des Frauenforums, Gertrude Piontek, bedankte sich bei der großartigen Unterstützung der Frauen für dieses Projekt und auch der Bürgermeister der Gemeinde Ebensee, Herwart Loidl, der Landtagsabgeordnete Josef Steinkogler und die Frauenausschussvorsitzende der Gemeinde, Andrea Königsmaier, fanden würdigende Worte. Als dann die Musikerinnen der Feuerwehrkapelle Langwies das Ebenseer Lied "Kloane Häuserl in der Höh'" stimmten (übrigens von einer Frau komponiert) kappten die beiden Vorstandsfrauen, Guggi Spitzer und Ingrid Ulrich, in 20 Meter Höhe, die Seile und das Transparent öffnete sich.
Der 29. Juni war selbstverständlich ganz bewusst gewählt, auch wenn der Termindruck dadurch außerordentlich groß war, denn am 1. Juli war der große Festumzug im Rahmen des Verbandstrachtenfestes in Ebensee angesetzt!!! Am 1. Juli zogen also ca. 2.500 TeilnehmerInnen (Mitglieder von über 87 volkstümlichen Vereinen aus ganz Österreich und Bayern) zur Musik von sechs Musikkapellen durch Eben-see, direkt am Transparent vorbei! Jede Berichterstattung von außen kam aufgrund des Transparentes nur schwer umhin, auch diesen feministischen Beitrag zu thematisieren.
Umfassend: Frauen – Geschichte – Ebensee
Zur Erzielung von Nachhaltigkeit war als drittes Modul des Programms die Frauen-Festschrift „Frauen – Geschichte – Ebensee“ geplant. In dieser 60-seitigen Broschüre finden sich neben einem allgemeinen Artikel zur Frauengeschichte, von Dr.in Brigitte Rath auch 13 Frauenporträts, zusammengestellt von Mag.a Birgit Riedler-Engl. Die Porträts sind eine Zeitreise durch die letzten 400 Jahre und machen Frauen sichtbar, die Ebensee geprägt haben. Die Publikation vereint dabei unterschiedlichste Frauen, wie beispielsweise die Königin Elisabeth von Görz-Tirol, die als Begründerin des modernen Salzwesens im Salzkammergut gilt oder die Ebenseer Widerstandskämpferin Resi Pesendorfer. Die Broschüre macht auf eine weibliche Geschichtsschreibung neugierig und ist vielleicht der Anfang eines langen und längst überfälligen Prozesses! Die Verteilung der Broschüre geschah ganz bewusst am Freitag, den 5. Oktober, am Abend des offiziellen 400-Jahre-Ebensee-Festaktes.
Festlich: frauensichtbarmachen Abschlussveranstaltung
Am Freitag, den 9. November schlossen wir das Projekt frauensichtbarmachen mit einem Kulturabend, im Zeitgeschichte Museum Ebensee, festlich ab. Unter der künstlerischen Gesamtleitung von Gertraud Steinkogler-Wurzinger, sang der 30 Personen starke Belcanto Chor aus Salzburg Chormusik aus der Zeit der Gründung der Saline und die Ebenseerinnen Edith Lemmerer und Nicole Dygruber berichteten über starke Frauen der vergangenen 400 Jahre, die sie szenisch zum Leben erweckten. Mehr als 50 Menschen erlebten gemeinsam mit dem Frauenforum Salzkammergut einen ganz besonderen Abend. Ein wahrlich würdiger Abschluss für ein mehr als außergewöhnliches Projekt, von dem die Ebenseerinnen und Ebenseer noch sehr lange sprechen werden!
Akustisch: Die Radiosendung zum Projekt!
Die Geschäftsführerin, Iris Kästel, hat zum großen Projekt eine Radiosendung produziert! Bitte hier klicken: Radiosendung[5]
Ziele
In der Ortsgeschichte, oft von lokalen "Historikern" (mehr oder minder ausgebildet) geschrieben, erweist sich der androzentrische Blick als erschreckender Filter für die Chronik! Frauengeschichte - mit dem schönen Begriff HERStory auf den Punkt gebracht - wird nicht aufgearbeitet, dokumentiert. Das wollten wir mit unserem Projekt zur 400-Jahr-Feier in Ebensee ändern und genau das haben wir auch erreicht! Unser Projekt wurde sogar im Faschingsumzug in Ebensee (und der Fasching hat in Ebensee einen sehr hohen Stellenwert) als Wagenmotto aufgenommen, sozusagen "geadelt". Unser "Eingriff" in die Geschichte hat gefruchtet und ist - wenn wir den Prozess "Top-Down" bezeichnen - tatsächlich "bottom", beim "gemeinen Fußvolk" angekommen, was bei vielen anderen Strategien nicht so gut gelingt (Gender Mainstreaming, Gender Budgeting).
Zielgruppen
Ganz im Sinne des Mottos "Frauen erhebt euch und die Welt erlebt euch" haben wir nur deswegen so viel erreichen können, weil wir von fast allen Ebenseerinnen Unterstützung erfahren haben. Zu unseren Fotoshootings sind mehr als 170 Frauen gekommen! Die Presse hat wegen des spektakulär großen Transparentes (17m x 7m) gut mitgespielt und fleißig berichtet. Auch das Sommerloch als Durchführungszeitraum hat das seine dazugetan ;-)
Zielgruppe war selbstverständlich die gesamte Bevölkerung Ebensees und darüber hinaus.
Methoden und Arbeitsweise
- Gute Kommunikation im Organisationsteam: gut vorbereitete Sitzungen (Tagesordnung!) mit verbindlichen Ergebnisprotokollen (unbedingt mit detaillierter Aufgabenverteilung wer?was?wann? ...). Nicht auseinandergehen ohne konkrete Beschlüsse gefasst zu haben! Nichts aufschieben, was gleich beschlossen werden kann!!!!!
- Gute Kommunikation mit anderen: immer Ansprechpartnerinnen nennen und nicht vergessen Adressen und Telefonnummern dazuzuschreiben!
- Von allen involvierten Personen eine Adressdatenbank erstellen und einen Mailverteiler, damit alle mit einem Schritt informiert werden können!
- "Massenmails": Den Verteiler unbedingt ins bcc (blindcopy) Feld setzen, damit die Adressen für die Angeschriebenen blind also unsichtbar bleiben
- Finden von Expertinnen zur Frauengeschichte (z.B. über die Mailingliste der Universität Linz namens fem@le[6] oder die Expertinnendatenbank der Medienfrauen [7])
- Finden von Expertinnen zur Ortsgeschichte
- Mit Referentinnen etc. immer ganz konkret über die Bedingungen sprechen am besten schriftlich ausmachen: Honorar, Fahrtkosten, Spesen etc.
- Für Übernachtungsmöglichkeiten der Referentinnen sorgen
- Wegbeschreibungen zum Versenden erstellen
- Aufrufe über Handzettel und die Presse an Fotoshootings teilzunehmen (wichtig: Mund-zu-Mund-Propaganda)
- Terminkollisionen im Vorfeld abchecken (große Feste anderer etc.)
- Termine finden, bei denen Aktionen gut angedockt werden können (z.B.: Verteilung der Broschüre am großen Festabend zur 400 Jahr Feier, Aufhängung des Transparentes am Vorabend des Trachtenumzugs)
notwendige Spezialkompetenzen
Super, wenn eine GrafikerIn mit an Bord ist!
spezifische Herausforderungen
Ohne die Lukrierung von Fördermitteln hätte das Projekt nicht realisiert werden können! Ganz wichtig, die richtigen Stellen anschreiben und gut aufbereitete Projektunterlagen einsenden. Keine Ausschreibung verpassen, die thematisch passen würde. Einen guten Überblick bietet zum Beispiel der Newsletter von FIFTITU% [8] oder die Ausschreibungsübersicht von der kupf Oö [9] Gute Tipps gerade für den kulturellen Bereich bietet auch das Handbuch "Überleben im Förderdschungel" von der kupf Oö [10]
Nicht vergessen, dass auch Wirtschaftstreibende durchaus zu Sponsoring bereit sind. Beim Ansuchen dort unbedingt eine Schnittstelle benennen, warum gerade jenes Unternehmen etc. davon profitiert mitzumachen ...
Öffentlichkeitsarbeit
Pressemeldungen/Printmedien
Unsere Pressemeldungen gehen an alle regionalen Zeitungen und selbstverständlich auch alle Internetzeitungen. Pressemeldungen am besten immer mit einem guten/pressewirksamen Foto versenden, dessen Rechte euch gehören(!), dann ist die Veröffentlichungswahrscheinlichkeit um vieles größer.
Handzettel
Für das Fotoshooting haben wir im Ort Handzettel verteilt und in den Geschäften aufgelegt.
Radiomeldungen
- Aufgrund unseres großen Presseverteilers haben auch die Radiostationen von uns erfahren und so wurde unser Shooting auch mittels Kurzinterviews in Radio Oberösterreich bekannt gemacht!
- Wenn es in eurer Region Freie Radios gibt, dann unbedingt an die herantreten! [11]
KooperationspartnerInnen
Bei der Umsetzung der einzelnen Module arbeiteten wir mit folgenden Personen und Vereinen zusammen:
- Belcanto Chor Salzburg[12]
- Feuerwehrmusikkappel Langwies [13]
- gamp grafikhouse [14]
- elisabeth schmölz, Fotografin [15]
- doris höller, Fotografin / Ebensee
- edith lemmerer und nicole dygruber, Schauspielerinnen / Ebensee
- dr.in brigitte rath, Historikerin, Wien
- mag.a birgit riedler-engl, Romanistin, Austria Guide / Ebensee
- gertrude steinkogler-wurzinger, Chorleiterin, Komponistin, Sängerin / Ebensee [16]
Rechtliche Hinweise, behördliche Bewilligungen
Einwilligung zur Veröffentlichung / Recht am eigenen Bild
Für das große Transparent mit Frauenporträts muss von jeder die Einwilligung zur Veröffentlichung eingeholt werden!
- Das Recht am eigenen Bild *§78, Abs. 1, Urheberrechtsgesetz in der Fassung BGB1 Nr. 22/2006 „Bildnisse von Personen dürfen weder öffentlich ausgestellt noch auf eine andere Art, wodurch sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, verbreitet werden, wenn dadurch berechtigte Interessen des Abgebildeten oder, falls er gestorben ist, ohne die Veröffentlichung gestattet oder angeordnet zu haben, eines nahen Angehörigen verletzt würden.“
Wir ließen uns daher folgende Zeilen unterschreiben:
- Hiermit willige ich ein, dass das Frauenforum Salzkammergut mein Bild und die von mir überlassenen Fotos meiner Ahninnen, im Rahmen des Projektes „Wo sind die Frauen ? - Frauen sichtbar gemacht!“, veröffentlicht.
Abbildungsrechte
Für sämtliche Abbildungen in der Broschüre 'Frauen - Geschichte - Ebensee' haben wir bei den Verlagen das Abbildungsrecht eingeholt! Wir haben uns sehr gefreut, dass kein Verlag ein Honorar dafür verlangt hat. Bei einigen Bildern konnten wir den/die RechtsträgerIn nicht mehr ermitteln, daher haben wir folgenden Passus in unsere Broschüre aufgenommen:
- Die Abbildungsrechte sind von uns nach bestem Wissenund Gewissen geprüft und die Abbildungserlaubnisse eingeholt worden. Sollten wir unwissentlich dennoch Abbildungsrechte verletzt haben, bitten wir um Mitteilung der RechteinhaberInnen.
Genehmigung Anbringung Transparent im öffentlichen Raum
Da wir das große Transparent am Rathaus anbringen wollten, mussten wir selbstverständlich um Genehmigung bitten. Dies geschah in einem persönlichen Gespräch mit dem Bürgermeister.
Organisationsstruktur
Der Verein: Frauenforum Salzkammergut[17]
Gewiss ist leider immer noch, dass Frauenthemen nur dort wahrgenommen werden, wo Frauen aufzeigen – auf die Finger klopfen - ansprechen – Initiative zeigen! Das Frauenforum Salzkammergut (FFS) arbeitet nach diesem Leitsatz bereits seit 1995 wirksam und erfolgreich in der Region. Führte anfangs alleine die Tatsache des Bestehens eines Frauenforums im Ort im privaten und öffentlichen Raum zu vielen Diskussionen, so wird heute über die Notwendigkeit unseres Frauenforums nicht mehr diskutiert. Unsere konsequente und qualifizierte Arbeit hat uns in der Region längst die Anerkennung als etablierter Verein eingebracht. Die öffentliche Hand unterstützt und erkennt uns als wichtige Partnerin im Salzkammergut an. Unsere Arbeit ruht auf drei Säulen:
- Das FFS als Beratungseinrichtung, Anlaufstelle, Informationsdrehscheibe: Frauen und Mädchen in der Region finden im FFS für alle frauenspezifischen Anliegen Unterstützung sowie Beratung in schwierigen Lebenssituationen.
- Das FFS als Bildungseinrichtung: verschiedene Veranstaltungen, Workshops, Kurse, Seminare, Vorträge usw. erweitern das Bildungsangebot in der Region um deutlich frauenspezifisch profilierte Themen.
- Das FFS als Treffpunkt/Kommunikationszentrum: Frauen treffen sich im FFS aufgrund unseres Angebotes. Des weiteren gibt das FFS Frauen und Mädchen „Raum”, um sich zu verwirklichen und die eigene Kreativität, die eigenen Ideen auszuleben. So fördert und initiiert das FFS Mädchen- und Frauenprojekte.
Personalstruktur Geschäftsführung (25 Wochenstunden) Organisation (20 Wochenstunden) Finanzfrau (15 Wochenstunden) Beraterin (10 Wochenstunden)
Im Kinderbetreuungsbereich haben wir 4 weitere Kolleginnen!
Der Vorstand - bestehend aus 12 Frauen - arbeitet ehrenamtlich und ist dankenswerter Weise sehr aktiv!
Mitwirkende und MitarbeiterInnen
Schätzungsweise sind im Zeitraum Mai bis November 2007 für das große Projekt frauensichtbarmachen 250 hauptamtliche Arbeitsstunden gebunden gewesen. Circa 100 Arbeitsstunden sind zusätzlich ehrenamtlich von den Vorstandsfrauen geleistet worden. Leider haben wir keine konkrete Arbeitszeiterfassung gemacht.
Infrastruktur
Das FFS hat ein gut funktionierendes Büro und vor allem ein breitgefächertes Netzwerk an Talenten und ExpertInnen. Zur Realisierung dringend benötigt werden:
- Menschen, die engagiert die Idee tragen und verwirklichen
- die Vereinsstruktur hat uns sicherlich geholfen das Projekt abzuwicklen!
- Computerarbeitsplätze mit lizenzierten Programmen (Office, Fotobearbeitung, Layoutprogramme)
- Internet und Telefon
- Besprechungsraum
Zeitrahmen
Einreichung des Projektes im März 2007, Abschlussradiosendung im Dezember 2007 = 9 Monate!
Die einzelnen Module:
- Vortrag zur Frauengeschichte
- Sichtbarmachung von 400 Frauen durch Entrollung eines 17m x 7m Transparentes am Rathaus der Marktgemeinde Ebensee.
- Publikation einer Frauen-Festschrift: „Frauen – Geschichte - Ebensee“, mit Informationen zur Frauengeschichte Ebensees; Schwerpunkt: Ausarbeitung von Frauenbiografien.
- Kulturabend: Chormusik aus der Zeit der Gründung der Saline mit erzählter Frauengeschichte
- Radiosendung zum Projekt
Finanzrahmen
Gesamtbudget: ca. € 15.000
Ausgaben:
- Arbeitszeit ca. € 5.000,-
- Honorare ca. € 4.200,- (Fotografinnen, Autorinnen, Sängerinnen, Referentinnen)
- Transparent ca. € 3.500,- (Grafikarbeit und Produktion)
- Druckkosten Broschüre, Auflage 1.500, ca. € 1.300,-
- Druckkosten und Porto Aussendung Einladung Festabend ca. € 350,-
- Diverse Ausgaben (Spesen, Blumen, Buffet, Fotoabzüge für Fotografierte etc.) € 700,-
Einnahmen:
- Eintritte und Spenden ca. € 600,-
- Eigenmittel FFS ca. € 3.200,-
- Prämie Innovationstopf € 10.000,-
- Subvention Marktgemeinde Ebensee € 900,-
- Subvention Landeskulturdirektion (Wissenschaftliche Publikation) € 300,-
FördergeberInnen
- kupf Innovationstopf des Landes Oö
- Marktgemeinde Ebensee
- Landeskulturdirektion Oö
- Mitfrauenbeiträge
- Eintritte und Spenden
Arbeitsunterlagen
Förderansuchen zur Förderung des Gesamtprojektes (eingereicht beim Innovationstopf der KUPF)
- Media:Förderansuchen.pdf, pdf-Datei, 444kB
- Media:Förderansuchen.sxw, Open Office 1.0 sxw-Datei, 223kB
- Media:Förderansuchen.doc, Open Office-generierte Word-Datei, 277kB
Förderansuchen an die Landeskulturdirektion zur Förderung einer wissenschaftlichen Publikation
- Media:Publikation.pdf, pdf-Datei, 20kB
- Media:Publikation.sxw, Open Office 1.0 sxw-Datei, 23kB
- Media:Publikation.doc, Open Office-generierte Word-Datei, 24kB
Vorlage für eine Tagesordnung einer Projektsitzung
- Media:Tagesordnung.pdf, pdf-Datei, 9,63kB
- Media:Tagesordnung.sxw, Open Office 1.0 sxw-Datei, 9,7kB
- Media:Tagesordnung.doc, Open Office-generierte Word-Datei, 11,5kB
Vorlage für ein Ergebnisprotokoll einer Projektsitzung
- Media:Ergebnisprotokoll.pdf, pdf-Datei, 11kB
- Media:Ergebnisprotokoll.sxw, Open Office 1.0 sxw-Datei, 11,5kB
- Media:Ergebnisprotokoll.doc, Open Office-generierte Word-Datei, 17kB
Vorlage für die Einholung der Abbildungserlaubnis
- Media:Abbildungserlaubnis.pdf, pdf-Datei, 18kB
- Media:Abbildungserlaubnis.sxw, Open Office 1.0 sxw-Datei, 21kB
- Media:Abbildungserlaubnis.doc, Open Office-generierte Word-Datei, 21kB
Vorlage für die Abtretung des Rechts am eigenen Bild, notwendig um Fotos von Personen auch abdrucken zu dürfen
- Media:Abtretung.pdf, pdf-Datei, 17kB
- Media:Abtretung.sxw, Open Office 1.0 sxw-Datei, 20kB
- Media:Abtretung.doc, Open Office-generierte Word-Datei, 20kB
Vorlage für die Rückseite der Abtretung des Rechts am eigenen Bild, zur Datenerfassung
- Media:Datenerfassung.pdf, pdf-Datei, 8kB
- Media:Datenerfassung.sxw, Open Office 1.0 sxw-Datei, 9kB
- Media:Datenerfassung.doc, Open Office-generierte Word-Datei, 11kB
Vorlage für den Flyer Einladung zum Fotoshooting, 4 Flyer pro A4, ungeschnitten
- Media:Fotoshooting.pdf, pdf-Datei, 21kB
- Media:Fotoshooting.sxw, Open Office 1.0 sxw-Datei, 29kB
- Media:Fotoshooting.doc, Open Office-generierte Word-Datei, 31kB
Pressemeldung zum Fotoshooting
- Media:PM-fotoshooting.pdf, pdf-Datei, 9kB
- Media:PM-fotoshooting.sxw, Open Office 1.0 sxw-Datei, 11kB
- Media:PM-fotoshooting.doc, Open Office-generierte Word-Datei, 11kB
Pressemeldung zum Transparent 400 Frauen
- Media:PM-Transparent.pdf, pdf-Datei, 11kB
- Media:PM-Transparent.sxw, Open Office 1.0 sxw-Datei, 14kB
- Media:PM-Transparent.doc, Open Office-generierte Word-Datei, 14kB
Pressemeldung zum Kulturabend
- Media:PM-Kulturabend.pdf, pdf-Datei, 12kB
- Media:PM-Kulturabend.sxw, Open Office 1.0 sxw-Datei, 12kB
- Media:PM-Kulturabend.doc, Open Office-generierte Word-Datei, 12kB
Kopiervorlage des Programmhefts zum Kulturabend
- Media:Kulturabend.pdf, pdf-Datei, 544kB
Abschlussbericht des Gesamtprojektes
- Media:Abschlussbericht.pdf, pdf-Datei, 1,8MB
Evaluation / Nachhaltigkeit
Es mag überheblich klingen, aber wir sind rundum zufrieden mit dem Verlauf des Projektes! Sehr motivierend war die gesicherte Finanzierung von Beginn an und die Tatsache, dass wir richtig viel Geld in die Hand nehmen konnten!
Bewirkt haben wir einen bleibenden Eindruck. Viele sagen: davon wird man noch sehr sehr lange sprechen. Wir hoffen, dass unsere Aktionen in den Chroniken der Gemeinde aufscheinen ;-)
Auf die Frage "was könnte beim nächsten Mal verbessert / geändert werden" fällt mir auf die Schnelle nichts ein.
"woran wäre das Projekt fast gescheitert" tja, wenn wir das Geld nicht gehabt hätten ...
IN DIESEM SINNE Liebe Grüße aus Ebensee Iris Kästel

